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Hätte das Festival nicht den ungeheuren Dusel gehabt, mit „Nader und Shirin, A Seperation“ und „The Turin Horse“ zwei herausragende Filme gewinnen zu können, wäre dieser Wettbewerb gewiss als einer der schlechtesten in die Berlinale-Geschichte eingegangen. Dieter Kosslick scheint noch einmal davongekommen zu sein. Er hat allen Grund, Asghar Farhadi und Bela Tarr dankbar zu sein, dass sie Berlin die Treue gehalten haben. Über eine Neu-Besetzung seines Auswahlkommittees sollte er sich dennoch rasch Gedanken machen. Das grundlegende Problem ist diesem freilich vorgeordnet: Von Beginn an hat Kosslick sich bemüht, den Erfolg des Festivals von der Güte des Wettbewerbs durch die Erfindung zahlreicher Sektionen (Kulinarisches Kino, Talent Campus etc.) unabhängig zu machen. Für die Beharrlichkeit, mit der er an der Marginalisierung des Wettbewerbs arbeitet, gibt es in diesem Jahr ein empörendes numerisches Indiz. Im Wettbewerb stehen nur 16 Filme, die im Rennen um den Goldenen Bären sind, neun gegenüber, die außer Konkurrenz liefen. Da fällt einem augenblicklich jene Geschichte ein, die Billy Wilder gern über die Eröffnung der Moskauer U-Bahn erzählte. Die Bauherren schwärmten davon, welch prunkende Attraktionen die Bahnhöfe seien und priesen das Angebot an Geschäften und die Stilvielfalt ihrer architektonischen Reize, von Art Nouveau bis Klassik. Die Frage eines ausländischen Journalisten ließ sie jedoch verstummen: „Und wo bleiben die Züge?“

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